Kalte Rotten und die Folgen

Unter der vielversprechenden Schlagzeile „Sander will den ganzen Müll verbrennen“ berichtet heute die Hannoversche Allgemeine Zeitung (fortan wegen Überlänge Hannoversche Allgemeine genannt) über die Probleme, die sogenannte Kalte Rotten mit sich bringen. Die Hannoversche Allgemeine zitiert den niedersächsischen Umweltminister Hans-Heinrich Sander: „Es gibt zu wenig Verbrennungsmöglichkeiten und die kalten Rotten funktionieren nicht.“ Sander habe aber, so die Hannoversche Allgemeine, auch eine Lösung parat: „Sinnvoll wäre es, ganz auf Verbrennung umzusteigen.“
Hintergrund: seit dem 1. Juni darf nach einer Verschärfung der Abfallgesetzgebung kein Müll mehr auf Deponien gekippt werden. Vielmehr muß dieser mechanisch-biologisch vorbehandelt (und hier kommt die Kalte Rotte zum Einsatz) oder einfach verbrannt werden, wie es Sander ja vorschlägt.
Wie der SUMPFPOST NACHRICHTENDIENST bereits berichtete, wird Müll entweder verwertet oder in Rumänien verbrannt; nun greift auch die Hannoversche Allgemeine dieses Thema auf: „Weil die Anlage oft stillstehe, sei schon Müll aus Osnabrück in Litauen aufgetaucht, berichtet Sander.“ Wie groß der Schritt zur Verbrennung dann noch ist, kann sich jeder ausrechnen. Warum den Müll also hier verbrennen, wenn es auch in Litauen oder Rumänien geht? Darauf haben weder Sander noch die Hannoversche Allgemeine eine Antwort. Stattdessen berichtet das Blatt aus Hannover über die Folgen der Unfähigkeit, die Kalten Rotten zu betreiben: „Am schlimmsten hat es die Betreiber der Kalten Rotte in Göttingen-Deiderode erwischt. Teile der Anlage sind zerborsten, sie steht seit Monaten still.“
Auch nach Sander haben die Kalten Rotten keine Zukunft: „Die Betreiber kriegen diese Technik nicht in den Griff.“
Übrigens gebe es diese Probleme laut Hannoversche Allgemeine nur in ehemals rot-grün geführten Ländern, in Süddeutschland hingegen seien genügend Müllverbrennungsöfen vorhanden. Sander meint: „Dort heißt es, warum habt ihr denn so einen Quatsch gemacht?“ Und hier endet der Bericht der Hannoverschen Allgemeinen, weshalb wir betreten zu Boden blicken, dann aber jäh hochfahren, zum Fenster eilen und die für mindestens zwanzig Minuten außer Acht gelassene Straße wieder ins Visier nehmen, denn die gelben Säcke stapeln sich weiter und höher. Vielleicht sollten auch wir eine Verbrennung endlich in Betracht ziehen?