Archiv für August 2006

Gleisbesetzer

„Sehr geehrte Reisende, wegen besetzter Gleise im Hildesheimer Bahnhof verzögert sich die Weiterfahrt um wenige Minuten“, tönt die Stimme aus dem Lautsprecher und aus der Mitte des Abteils fragt eine Frau: „Besetzte Gleise, was soll das denn jetzt wieder heißen? Sind die Gleise von Menschen besetzt, oder…“ Der Gedanke der Mitfahrerin wird jedoch rasch ad absurdum geführt, schließlich sei es Sonntag, meinen einhellig die Passagiere und sogar die Frau selber bestätigt: und man befinde sich in Hildesheim, Dirk. „Und wir werden auch niemals woanders sein“, stimmt der ins Abteil tretende Schaffner ein und dann fährt auch der Zug schon wieder los und ist eine halbe Minute später am Bahnsteig und dort ist dann wie in der restlichen Stadt wie immer mal wieder gar nichts los.

Kofferbomben (II)

Achtung!
Seit Tagen steht am Hauptbahnhof Fleetmark (Sachsen Anhalt, Gleis 1) ein herrenloser Kaffee. Er ist noch zu 3/4 gefüllt, jedoch wagte es bisher niemand, ihn anzurühren, geschweige denn umzurühren. Die Sicherheitsbehörden wurden bereits informiert, sind jedoch aufgrund der mangelhaften Infrastruktur des strukturschwachen Landes noch nicht bis zum Kaffee vorgedrungen. Es wird vermutet, daß dieser bei Eintreffen der Ordnungsorgane bereits kalt sein wird und deshalb nur noch kontrolliert gesprengt werden kann (und muß!). Eine Sprengkelanlage wird vom Nachbarland Niedersachsen (NS) zur Verfügung gestellt, da die von Sachsen Anhalt (SA) kürzlich zwangsversteigert werden mußte (wg. Zahlungunfähigkeit der Kaffeekassenschulden).

Erläuterung

Der „Gelbe Säcke-Tag“ ist übrigens weder eine FDP-Kundgebung, noch wird hier Strom in einer neuen Form verabreicht; ohnehin finden wir die Behauptung, Strom sei gelb, ungeheuerlich, ja, eine Unverschämtheit, da könnte man ja auch sagen, Kühe seien lila; der „Gelbe Säcke-Tag“ ist der Tag, an dem die gelben Säcke abgeholt werden, das ist in vielen Kommunen so üblich. Die gelben Säcke sind Behältnis für den Wertstoffmüll, also all das, was außer Papier noch so recycelt werden kann bzw. nach Rumänien gebracht und verbrannt wird. In einigen Städten ist es anders geregelt, beispielsweise in Leipzig: dort gibt es für die einzelnen Häuser schwarze Tonnen mit gelbem Deckel. Zweimal im Jahr, meist am 1.Mai und am 3.Oktober, werden diese Tonnen traditionell aus den Hinterhöfen geholt, auf die Straße gerollt und angezündet, um auf die dramatische Situation in Rumänien aufmerksam zu machen.

Abfallentsorgung

Liebe Mülltrenner, für Mittwoch oder Donnerstag ist eine längere Abhandlung über die Abfallentsorgung geplant, wobei auch spezifische regionale Aspekte in den Diskurs fließen sollen, etwa der eventuelle Zusammenhang der Größe der Kommune mit den Eigenarten der Entsorgungspraxis, wobei gar nicht klar ist, ob es da überhaupt einen gibt, wir vermuten mal nein. Verhindern könnte die Abhandlung eigentlich nur noch der sog. „Gelbe-Säcke-Tag“, der regelmäßig unsere gesamten Kräfte erfordert. Ihn zu verpassen, kommt einer Katastrophe gleich, nicht nur wegen der Geruchsentwicklung im Redaktionskeller. Haben Sie schon Ihre Biotonne geleert?

Kofferbomben

„Sehr geehrte Reisende, bitte lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt“, heißt es nun wieder verstärkt auf Bahnhöfen, seit in Dortmund und Koblenz Gepäck mit Propangasflaschen gefunden wurde. Reisende irren auf der Suche nach ihren Koffern umher, während diese kontrolliert gesprengt werden, ohne daß jemand erfährt, was in ihnen steckte. Was dahinter steckt, kann man nur ahnen: die Kofferindustrie? Oder der Islam? Wenn der in den Propangasflaschen steckt, kann man nur hoffen, daß niemand ihn rausläßt, es sei denn, er hat eine gültige Fahrkarte.