Archiv für Oktober 2007

Entnazifizierung jetzt!

Wie Deutschland seine Neonazis doch noch kleinkriegen will

Deutschland im Vorfrühling: Das neue NPD-Verbotsverfahren soll gar nicht erst eröffnet werden, V-Männer streiten sich um die Farben des Fronttransparentes für die “nationale 1. Mai-Demo” und im “nationalen Forum“ der NPD-Webseite herrscht ausgelassene Stimmung. Der NPD geht es so gut wie lange nicht mehr, nach zahlreichen Rückschlägen wähnt man sich wieder im Aufwind.
Doch im April holte das unter den Parteimitgliedern wenig geliebte “Schweinesystem“ erneut zum Schlag aus: Schornsteinfeger Lutz Battke aus Laucha im Burgenlandkreis wurde wegen seiner Aktivitäten für die rechtsextreme Partei der Kehrbezirk entzogen. Das bedeutet nicht nur, dass in diesem Einzugsgebiet nun die Burgen rauchen, sondern für den Mann selbst auch den Verlust der Arbeitsstelle und des Ansehens in der Partei- denn für noch mehr arbeitslose Vollpolitiker fehlen der NPD einfach die Landtagsmandate.
Was sich aber noch nicht bis zum letzten Parteimitglied herumgesprochen zu haben scheint: es handelt sich bei diesem Schlag nicht um einen ganz normalen Schlag, sondern um den Generalschlag gegen die verhasste Nazipartei. Wenn man die NPD schon nicht verbieten kann, so der Plan, wird man ihr eben per Existenzvernichtung der einzelnen Mitglieder das Genick brechen. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) freut sich jedenfalls darüber, dass sein ansonsten nur durch Naziterror bekannt gewordenes Bundesland nun die Vorreiterrolle für die Entnazifizierung Deutschlands übernommen hat.
Der Bundesinnenminister erklärt derweil schon mal, was als nächstes geplant ist: “Jetzt schnappen wir uns den stellvertretenden Parteivorsitzenden und Generalsekretär der NPD”, so Schäuble. Schon sein Name sei eine nicht hinnehmbare Provokation: Peter Marx. Marx organisiert regelmäßig die “Europäische Sommeruniversität” in Saarbrücken. Man werde ihm sowohl diese ominöse “Sommeruniversität” als auch seinen obskuren Namen entziehen, und schon wäre die Sache erledigt. “Ein Mann, der nur noch Peter heißt, wird auch keine neue Universität erhalten”, so die einfache Rechnung des Innenministers. Jörg Hähnel, Bezirksverordneter der NPD in Berlin-Lichtenberg, kriegt Computerverbot. Zur Begründung führt die Bundesregierung an, Hähnel werde als “Gesicht“ der NPD präsentiert oder zumindest als jener, welcher der NPD erst so etwas wie ein Gesicht gebe: “Jörg Hähnel gibt der NPD ein Gesicht. Unter seiner Hand gehen alte und neue Medien eine Symbiose ein und erscheinen als aussagekräftige Einheit.”, heißt es im Text auf der Internetseite der selbsternannten “Nationaldemokraten”. Lasse man Hähnel nun nicht mehr an die Computer ran, würden womöglich tausende von Naziseiten über Nacht nicht mehr funktionieren und verlören mit der Zeit nicht nur an Glaubwürdigkeit, sondern eben auch an “Gesicht”. Ebenso würde Hähnel überhaupt der Umgang mit Medien entzogen, denn er sei schließlich auch verantwortlich für Fernsehwerbung und Plakataktionen der Partei.
Um Plakate im weitesten Sinne geht es auch bei den nächsten Kandidaten, von denen ein kaum zu kalkulierendes Gefährdungspotential ausgeht: Winfried Petzold und René Despang. Beide haben sich in ihrer bisherigen Laufbahn schon mindestens einmal als Maler bzw. Zeichner versucht. Hinsichtlich der bekannten deutschen Geschichte muss wohl kaum noch erklärt werden, welch ein explosives Gemisch da in den Hinterbänken der NPD-Führung “schlummert”. Was im tabellarischen Lebenslauf parteiintern als “Glücksbringer” gehandelt wird, nimmt der Staatsschutz überaus ernst. Die beiden tickenden Zeitbomben sollen sofort eingeschläfert werden. Den immer etwas verwirrt dreinblickenden Hauptschüler Despang aus Dresden ficht das jedoch nicht an: “Die Jugendarbeit der NPD bleibt mir ein Herzensanliegen”, sagt er mechanisch und vertieft sich wieder in seine Schulhof-CD. Und auch um Petzold macht man sich in der Partei keine Sorgen: “Der ist sowieso schon tot”, so ein junger Nationaldemokrat hinter vorgehaltenem ausgestrecktem rechten Arm.
Den beiden wohl prominentesten Parteimitgliedern der NPD hingegen will man, bevor man zum endgültigen, existenzvernichtenden Schlag ausholt, erst einmal das Leben schwer machen. So werden alle Gemüsehändler aufgefordert, ab sofort keine Äpfel mehr an Holger Apfel zu verkaufen. Die Firma “Apple” erklärte sich zudem bereit, dem sächsischen Fraktionsvorsitzenden der Nazipartei keinerlei Produkte aus ihrem Hause anzubieten, „nicht einmal Hardware“, erklärte ein Sprecher. Udo Voigt wiederum erhält schon jetzt ein lebenslanges Ein- und Durchreiseverbot im Vogtland, was den NPD-Bundesvorsitzenden schon wieder auf die Palme bringt: „Ich will durch das ganze Deutschland fahren, und zwar in den Grenzen von Hitler!“, so der mit allen Wassern gewaschene Politvollprofi vor den gelangweilten Fotografen.
Als derzeit am gefährlichsten wird von den deutschen Behörden jedoch eine Kandidatin eingestuft, die zurecht als ein in Stahlbeton gegossenes Ultratonnengewicht gehandelt wird, das nicht nur Sprengstoffexperten an Bombenfunde aus dem zweiten Weltkrieg erinnert: Doris Zutt, Altenpflegerin aus Hanau. Wie immer wieder betont wird, ist der demographische Wandel eine der drängendsten Fragen unserer Zeit. Und die Vorstellung, die noch so junge Rentnerdemokratie könne schon nach wenigen Jahren ihres Bestehens im Würgegriff der Klauen von Doris Zutt gehalten werden, ist nur schwer zu ertragen. Was man gegen die klobige Hessin ausrichten kann, ist den Verantwortlichen bislang ein Rätsel, denn an Doris Zutt traut sich nicht mal Roland Koch ran. Und sogar die ganze Entnazifizierung könnte an Doris Zutt noch scheitern, es sei denn, es fände sich jemand, der sich bereiterklärt, diesen Koloss zu sprengen. Geschieht dies nicht, droht den kühnen Plänen das frühe Aus. Ein Gutes hätte die Sache immerhin: tausende Arbeitsplätze von Mitarbeitern des Verfassungsschutzes in der NPD würden so erhalten bleiben, die fünf richtigen Nazis könnten weiter Informationen liefern.

Die Biowaffe aus Hessen:
Doris Zutt

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